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Wohnen hinter Schranken: Bewachtes Wohnen etabliert sich auch in Deutschland

Eine neue Wohnform für Wohlhabende etabliert sich in Deutschland: Bewachtes Wohnen. Nachdem sogenannte 'Gated Communities' ursprünglich eine Spezialität der USA waren, entstehen jetzt auch in Deutschland immer mehr bewachte Wohnanlagen mit Aufpassern, Schlagbäumen und Videokontrolle.

Während der Trend zum Wohnen hinter Gittern sich nach und nach auch in Europa ausbreitet, sind Gated Communities anderswo schon längst die etablierte Antwort auf vermeintliche und tatsächliche Gefahren. 'Die Globalisierung der Angst wird diesen Prozess der Umstrukturierung beschleunigen', befürchtet der amerikanische Urbanismusforscher Mike Davis.

So leben in den USA inzwischen mindestens 8 Millionen Menschen hinter Schranken. Auch in Südafrika entstehen als Gegenentwurf zu den scheinbar archaischen schwarzen Townships immer mehr bewachte Wohnsiedlungen, in denen sich die Eliten verschanzen. In Brasilien leben gut situierte Menschen in sogenannten 'condomínios fechados' oder 'condomínios exlusivos', in Venezuela oder Argentinien heißen die bewachten Wohnviertel 'barrios cerrados' und 'barrios privados'. Auch in Malysias Hauptstadt Kuala Lumpur und den ägyptischen Städten Kairo und Alexandria ziehen sich immer mehr Menschen in Gated Communities zurück.

Während der Mainzer Geograf Georg Glasze noch vor ein paar Jahren davon ausging, dass die Idee der offenen Stadt in Deutschland noch stark ausgeprägt sei und soziale Mischung ‚immer noch als Leitbild’ gelte, etabliert sich das bewachte Wohnen nun auch hierzulande.

So entstand in der Arkadien-Siedlung am Glienicker Horn in Potsdam Deutschlands erste Gated Community und in Leipzig entsteht mit der Central Park Residence bereits die zweite große Gated Community. Auch im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg werden die exklusiven 'Prenzlauer Gärten' gerade erweitert und sogar im alternativen Stadtteil Kreuzberg können sich die Besserverdiener hinter dicke Mauern zurückziehen. In der Reichenberger Straße nehmen die Bewohner ihr Auto per Aufzug direkt mit in die Wohnung und müssen sich so keine Sorgen um Randale machen.

Während das Geschäft mit dem bewachten Wohnen boomt wächst natürlich auch die Kritik. Denn worin gut betuchte Bürger erhöhte Sicherheit sehen, manifestiert sich für andere die wachsende Kluft zwischen Oben und Unten in der Gesellschaft.

Quelle: manager-magazin.de, spiegel.de
Bild: Gordon Joly, Erion Shehaj (Flickr)

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