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Welches Regelwerk sollte man einem Bauvertrag zugrunde legen?

Durch den Bauvertrag werden von Preisen über Leistungen bis hin zu Terminen alle wichtigen Fragen rund um den Hausbau geregelt. Die Rechtsgrundlage eines Bauvertrags kann entweder das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) bilden, oder die "Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil B" – kurz VOB/B. Da beide Regelwerke mit bestimmten Vor- und Nachteilen für den Bauherren verbunden sind, sollte dieser sich vor der Unterzeichnung des Bauvertrags gut informieren.

Generell unterliegt der Hausbau den Regeln des BGB. Doch um der Komplexität gerecht zu werden, die die Abwicklung eines Bauvorhabens mit sich bringt, entwickelte der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen eigene, wesentlich detailliertere Regelungen für die Erstellung von Bauwerken. Daraus entstand die VOB/B. Carsten Böke, Partner in der auf Bau- und Vergaberecht spezialisierten Düsseldorfer Kanzlei Haak Böke & Partner erklärt: "Mit diesen allgemeinen Vertragsbedingungen hat der Ausschuss im Grunde auf der Grundlage des BGB ein spezielles Bauvertragsrecht geschaffen."

Die beiden Regelwerke existieren nebeneinander, so dass sich Bauherren und Bauunternehmen bei jeder Bauleistung – vom Anstrich bis zum kompletten Hausbau – einigen müssen, ob sie der Abwicklung ihrer Rechte und Pflichten die Regeln des BGB oder des VOB/B zugrunde legen wollen. Bökes Kollegin Sandra Haak berichtet, dass nach ihrer Erfahrung inzwischen fast jeder Bauunternehmer oder Handwerker versuche, die spezielleren Regeln zu vereinbaren.

Obwohl Verbraucherschützer kritisieren, dass die VOB/B gleich mehrere Regeln beinhaltet, die den Bauherren benachteiligen, handelt sich laut Rechtssprechung insgesamt um ein ausgewogenes Regelwerk. Das bedeutet, dass in manchen Fällen der Bauherr im Vorteil ist und in anderen der Handwerker. Auf diese Weise profitieren laut Haak in der Regel beide Parteien, "denn die VOB/B bietet aufgrund ihrer Ausführlichkeit mehr Rechtssicherheit."

Trotzdem sollte sich der Bauherr darüber bewusst sein, dass einige für ihn vorteilhaftere BGB-Regeln durch die VOB/B verdrängt werden. Daher sollten sich Verbraucher genau darüber informieren, was in der VOB/B steht und welche Rechte und Pflichten er hat. Diese Kenntnis ist nicht nur notwendige Voraussetzung für die Geltung der VOB/B, sie kann auch vor bösen Überraschungen Schützen, die die Kosten für die Baufinanzierung erheblich steigern können.

Da ein Vergleich der beiden Regelwerke BGB und VOB/B den Laien leicht überfordern kann, lohnt es sich, den Bauvertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt oder der Verbraucherzentrale prüfen zu lassen. Beinhaltet der Vertrag Regeln, die den Bauherren benachteiligen, so können diese unter Umständen wegverhandelt werden.

Quelle: focus.de, test.de
Bild: Ernst Rose (Pixelio), catlovers (Pixelio)

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