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Weiteres zum Nachbarschaftsrecht: wenn Bäume zum Streifall werden

Auf kaum einem anderen Rechtsgebiet finden so viele Streitigkeiten statt wie im Nachbarschaftsrecht. Neben Grundstückbenutzungsrechten und -begrenzungen werden auch Bäume und Hecken häufig zum Streitfall. Gestritten wird über die Grenzabstände für Pflanzen wie Bäume und Hecken, über Äste, die auf das Nachbargrundstück herüber ragen und über Laubfall. Selbst wenn Nachbars Bäume die Bausubstanz der eigenen Immobilie schädigen, haben Hausbesitzer nicht unbedingt das Recht, zur Kettensäge zu greifen.

So lehnte jüngst das Landgericht Coburg die Klage einer Hausbesitzern auf Schadenersatz in Höhe von rund 21.500 Euro mit der Begründung ab, dass Hausbesitzer, die ihr Haus neben einem Grundstück mit umfangreichem Baumbestand errichten, selbst dafür sorgen müssen, dass der Wasserbedarf der Nachbarspflanzen ihr Gebäude nicht schädigt.

Nach Angaben des Gerichts hatte die Klägerin 1990 ein Zweifamilienhaus neben einem Gemeindegrundstück mit erhaltenswerten Eichen gebaut und machte nun den Wasserbedarf der Bäume und somit die Gemeinde für Risse verantwortlich, die sich im Laufe der Jahre an ihrem Haus gebildet haben.

Wie das Gericht urteilte, sei jedoch kein schuldhaftes Fehlverhalten der Gemeinde zu erkennen. Auch für Gefahr für das Anwesen der Klägerin, die von den Eichen ausgehe, seien keine Anhaltspunkte zu erkennen gewesen. In dem rechtskräftigen Urteil (Az: 12 O 299/07) heißt es, dass das von der Klägerin geforderte vorsorgliche Fällen der Eichen die Grenze des Zumutbaren überschritten hätte. Auch eine vorbeugende Sichtung oder gar Kappung der Wurzeln hätte die Klägerin nicht verlangen können. Statt dessen hätte sie selbst mit entsprechend tiefen Fundamenten den Setzungsgefahren durch die bereits vorhandenen Bäume begegnen können.

So entschied das Landgericht in diesem Fall des Nachbarschaftsrechts nicht nur zu Gunsten der Gemeinde, sondern auch zu Gunsten der Bäume: "Nur weil der Nachbar baut, müssen Eichen nicht weichen", so das Urteil des Gerichts.

Quelle: focus.de, anwalt.de
Bild: Thomas Euler (Flickr)

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