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"Stuttgart 21": Landet das Milliardenprojekt auf dem Abstellgleis?

Eigentlich steht der Umsetzung des Projekts "Stuttgart 21" nichts mehr im Wege. Nachdem bereits seit 15 Jahren an den Plänen für das enorme Stadtentwicklungsprojekt gearbeitet wird, liegen der Deutschen Bahn inzwischen alle erforderlichen Genehmigungen vor. So könnte eigentlich umgehend mit dem Bau des unterirdischen Prestigebahnhofs begonnen werden. Doch irgendwie zögern auf einmal alle Beteiligten, die Beschlüsse umzusetzen und das Projekt "Stuttgart 21" droht auf dem Abstellgleis zu landen.

Als Verkehrsplaner Anfang der neunziger Jahre die Idee entwickelten, die großen Gleisflächen in deutschen Innenstädten unter die Erde zu verlegen, klang das nach Zukunft. Finanziert werden sollten die unterirdischen Bahnhöfe mit dem Geld, das die Bahn durch den Verkauf der oberirdisch frei werdenden Flächen einnehmen würde. So sollten für den Steuerzahler kaum kosten entstehen, stattdessen aber mehr Platz für Wohnungen und Parks. Das klang so toll, das Pläne für "Frankfurt 21", "München 21" und andere Städte gemacht wurden. Heute ist neben "Stuttgart 21" vor allem die Erkenntnis geblieben, dass all das nicht umsonst zu haben ist.

So wird das Großbauprojekt, das den Bahnverkehr in der baden-württembergischen Landeshauptstadt für das 21. Jahrhundert fit machen sollte, inzwischen als das "teuerste Loch der Stuttgarter Stadtgeschichte" oder "Maulwurfs-Bahnhof" verspottet. Wie viele Milliarden Euro das umfangreiche Bauprojekt tatsächlich verschlingen wird, das weiß niemand so genau. Offizielle Schätzungen der Deutschen Bahn gehen von 3,1 Milliarden Euro aus, die Stuttgart 21-Gegner sprechen von 8,7 Milliarden Euro.

Dafür soll bis 2018 der heutige Stuttgarter Kopfbahnhof abgerissen und unter die Erde verlegt werden. Außerdem soll ein zehn Kilometer langer Tunnel die Innenstadt mit dem Flughafen und der neuen Messe verbinden, 58 Kilometer Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm entlang der Autobahn A8 sollen für schnellere Bahnverbindungen sorgen und auf den frei werdenden oberirdischen Flächen soll ein neuer Stadtteil entstehen. Ein ehrgeiziger Plan, den Peter Brenner, der Vorstandsvorsitzende der Immobilienwirtschaft Stuttgart (IWS) als "Jahrhundertchance" bezeichnet.

Doch das Projekt "Stuttgart 21" hat auch Gegner. Die sind durch die anhaltende Kostendiskussion immer mehr geworden, so dass inzwischen 47 Prozent der Stuttgarter eine "schlechte bis sehr schlechte Meinung" von dem Bauvorhaben haben. Ob das Projekt "Stuttgart 21" am Ende doch noch auf dem Abstellgleis landet, wird sich wohl in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Bahnchef Rüdiger Grube hat sich in einem Interview mit dem "Spiegel" auf jeden Fall schon mal eine Hintertür zum Ausstieg offen gelassen. "Das Projekt ist nicht darstellbar, wenn beispielsweise für den Bahnhof plus die Risikokosten mehr als 4,5 Milliarden Euro anfallen würden", äußerte er gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Bis November hat er eine Aktualisierung der Kostenschätzungen in Auftrag gegeben, dann wird über die Zukunft des Projektes "Stuttgart 21" entschieden. "Die Verträge sind so angelegt, dass wir bis Ende des Jahres kündigen können."

Quelle: handelsblatt.com, sueddeutsche.de
Bild: stuttgarter-nachrichten.de, stuttgart-tourist.de

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