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Skandalbastelei: Vogelfutter soll rassistisch ein

"Kann Vogelfutter rassistisch sein?" Das fragte in einem Artikel ein bekanntes Online-Portal - und zeigte dann ein Foto von der Negersaat, die jemand grade gekauft hat. Negersaat, das klingt natürlich sofort nach einer ganz bösen Produktbenennung für eine Körnermischung, die man auch "fröhlicher Sittich" hätte nennen können. Das vermeintliche Drama löst sich aber ziemlich schnell in Luft auf - und nicht mal das Nachrichtenportal selbst hält die Aufregung über den ganzen Artikel durch.

Vogelfutter heißt Negersaat

Es handelt sich nämlich nicht um eine Körnermischung sondern einfach eine Packung Negersaat. Die Samen des Ramtillkrauts heißen Negersaat oder Nigersamen oder Nygersamen oder... Übrigens schlicht, weil "Neger" vom lateinischen Wort schwarz kommt und die Samen schwarz sind. Wenn man sich noch näher mit der Namensfindung beschäftigen möchte, fällt auch auf, dass der ethiopische Name für die Samen "nug" lautet – wäre also nicht das erste mal, dass Europäer ein Wort falsch verstehen und für sich zusammensetzen.

Kulturansatz in der Biologie

In der Biologie gibt es den Begriff übrigens auch: Um zu Forschungszwecken einen bestimmten Pilz schneller zu züchten wird ein Nährboden aus Negersaat angesetzt, der spezifisch das Wachstum dieses Pilzes (der bei Vögeln dann übrigens auch häufig vorkommt) fördert. Der Name des Nährbodens: Negersaat-Agar.

Alternative Latein

Man könnte natürlich zum Negersaat-Agar auch "Cryptococcus-Agar nach Staib" sagen und damit Erfinder und Zweck statt Material in den Vordergrund rücken. Und die Negersaat könnten als "Samen des Ramtillkrauts" verkauft werden. Um künstliche Dramen zu vermeiden, könnten wir uns aber auch überlegen, statt "schwarz" und "weiß" künftig einfach die hexadezimalen Farbcodes anzugeben (#FFFFFF und #000000), um keine falsche Verbindung zu Ideologien einzelner, ziemlich verquerer Menschen aufkommen zu lassen.

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