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Shopping am Bahnhof: Sind die Einkaufsstraßen der Innenstädte demnächst leergefegt?

An den Bahnhöfen entstehen immer größere Einkaufzentren. Doch ob Shopping am Bahnhof künftig den Einkaufbummel durch die Einkaufsstraßen der Innenstädte ersetzen wird ist fraglich. Zwar übersteigt das Einkaufangebot an immer mehr deutschen Bahnhöfen schon lange das klassische Nahversorgungsangebot, zu dem Lebensmittelmärkte und Gastronomie gehören. Doch ob es wirklich gelingt, Bahnreisende dafür zu begeistern, beim Umsteigen viel mehr zu kaufen als Wurstbrötchen oder Blumen, ist fraglich.

Das Paradebeispiel für einen Bahnhof als Shopping-Paradies ist sicherlich der Berliner Hauptbahnhof. Den rund 300.000 Reisenden, die hier täglich befördert werden, stehen etwa 80 Geschäfte zur Verfügung. Diese bieten auf 15.000 Quadratmeter Ladenfläche ein abwechslungsreiches Angebot von Bekleidung über Gastronomie bis hin zu Wellness. Dieses breite Angebot lockt natürlich nicht nur Bahn-Reisende zum Shopping am Bahnhof, auch zahlreiche Anwohner nutzen das Einkaufszentrum am Berliner Hauptbahnhof.

Neben dem breiten Einkaufsangebot am Bahnhof gehörten dabei die Öffnungszeiten zu den großen Vorteilen der Einkaufszentren am Bahnhof. So öffneten etwa die Geschäfte im Berliner Hauptbahnhof seit der Eröffnung 2006 ihre Pforten Montag bis Sonntag von 8 bis 22 Uhr. Jetzt bringt allerdings der Berliner Senat Schatten ins Shopping-Paradies Hauptbahnhof: Künftig soll das bislang geduldete Sonntags-Shopping im Hauptbahnhof verboten werden.

Der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sagt dazu: 'Die Gesetzeslage ist eindeutig.' So dürfen laut Gesetz an Feiertagen auch an Bahnhöfen Geschäfte geöffnet haben, allerdings nur solche, die Reisebedarf verkaufen. Mit dem gemütlichen Einkaufsbummel am Bahnhof soll also künftig – zumindest am Sonntag – Schluss sein.

Das Einkaufs-Verbot wird sehr unterschiedlich bewertet. Während Berlins oberster Tourismus-Chef Burkhard Kieker kritisiert, dass Berlin seinem Ruf als Weltstadt nicht gerecht werden könne, 'indem die Bürgersteige hochgeklappt werden', steht der Handelsverband auf der Seite des Senats. 'Die Bahn macht, was sie will', kritisiert Verbandssprecher Nils Busch-Petersen. Damit setze sie das liberale Ladenschlussgesetz Berlins aufs Spiel. Jetzt muss sich zeigen, ob das Einkaufs-Verbot am Sonntag das Shopping-Paradies Bahnhof gefährden kann. Schließlich bleibt ja weiterhin an sechs Tagen die Woche geöffnet.

Quelle: diepresse.com, viatoura.de, bz-berlin.de
Bild: wing1990hk (Flickr)

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