Excite

Naturdach in Gefahr: Pilzbefall auf Norddeutschen Reetdächern

Auf ganze 50.000 wird die Zahl der Reetdächer geschätzt, die noch in Norddeutschland existieren. Die mit Schilfrohr bedeckten Dächer finden vor allen Dingen bei Ferienhäusern großen Zuspruch. Außerdem galt diese das Reetdach bislang als höchst qualitätsvoll und langlebig.

Doch jetzt wird diese Art von Dachdeckung für viele Hausbesitzer zum Verhängnis: Eine noch unbekannte Pilzart macht sich auf und unter den Schilfrohren breit, und lässt das Dach innerhalb kürzester Zeit verrotten! Forscher und Dachdecker stehen vor einem Rätsel. Besitzer von Problemdächern sind der Verzweiflung nahe, denn eine Neudeckung des Hauses ist teuer! Sogar Selbsthilfegruppen werden von Betroffenen ins Leben gerufen, und Verschwörungstheorien über von der Industrie gezüchtete Killerpilze sind im Umlauf...

Wird das klassische Bild norddeutscher Häuser irgendwann der Vergangenheit angehören? Mittlerweile werden im Labor Proben von gesunden und kranken Rohrhalmen auf Pilz- und Bakterienbefall untersucht, damit dem Reetdach-Verwüster auf die Spur gekommen werden kann. Abgeraten wird indes von Anti-Pilz-Substanzen, die auf die Dächer aufgetragen werden können, denn meistens sind diese Wundermittel für den Menschen schädlich, da sie vom Dach aus in die Wohnräume strömen können.

Noch ist unklar, ob der geheimnisvolle Pilz durch eine zu frühe Ernte, durch ungeeignete Lagerung oder durch unzureichende, billigere Schilfrohre aus dem Ausland ins Leben gerufen wird. Feststeht, dass von den Hunderten untersuchten Bakterien- und Pilzarten nur vier bis fünf Pilze tatsächlich in der Lage sind, das Rohr zu zersetzen. Es sind Weißfäulepilze, die eigentlich im Wald vorkommen, und den Stoff, der die Verholzung bewirkt, abbauen. Wie diese Pilzarten nun auf die Dächer kommen, lässt sich nur vermuten…

Es wurde mittlerweile ein Schnelltest entwickelt, mit dem herausgefunden werden kann, ob im Rohr diese Weißfäulepilze enthalten sind, bevor es für die Dachdeckung verwendet wird. Auch wird weiterhin nach einem Mittel gegen die Dachzerstörung gesucht. In der Zwischenzeit sollte ein Reetdach alle fünf Jahre untersucht werden und kleine Schadstellen sofort entfernt werden, bevor sich der Wüstling weiter ausbreiten kann. In der Konstruktionsphase ist es wichtig, dass das Reetdach so steil ist, dass das Wasser gut ablaufen kann und sich keine Keimoasen bilden können.

Quelle: welt.de, faz.net
Bild: steandgro (Flickr)

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017