Excite

Lübecker Gänge: Hinter den Fassaden

Hinter den Fassaden der Lübecker Altstadt breiten sich die Lübecker Gänge aus. Dabei handelt es sich um ein Geflecht aus schmalen und niedrigen Gassen hinter den Vorderhäusern. Die kleinen Bauten, die in den Lübecker Gängen stehen, haben nicht nur historischen Wert.

Die Lübecker Gänge entstanden im 14. und 15. Jahrhundert, als die Bürger der Stadt in den Höfen ihrer Häuser Buden und Behelfsbauten für Dienstboten und Seeleute, Wanderarbeiter und Witwen errichten ließen. Da es dabei den Hausbesitzern überlassen war, wie viele Buden sie hinter ihrem Haus errichten ließen, haben die Häuser der Lübecker Gänge eines gemeinsam: Sie sind klein. Die kleinste Bude, in der Hartengrube Nr. 36, misst gerade mal 3,45m x 4,65m.

Während es gegen Ende des 17. Jahrhunderts in der Lübecker Altstadt über 180 Gänge gab, wurde ein großer Teil von ihnen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute sind in der inzwischen zum Unesco-Weltkulturerbe ernannten Innenstadt noch etwa 90 Gänge erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Buden, die in den Lübecker Gängen erhalten geblieben waren, sofort zu Flüchtlingsunterkünften. Lange Zeit waren sämtliche Buden, Remisen und Hofbauten überbelegt und das Lübecker Gangviertel war als Halbwelt und Rotlichtbezirk verschrien.

Daran hat sich einiges geändert. Heute gehören die Lübecker Gänge zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Und auch auf dem Lübecker Immobilienmarkt haben die Altstadtgänge an Bedeutung gewonnen. So berichtet der Architekt Thomas Haase von einer regelrechten Preisexplosion: Konnte man selbst bis in die späten 1970er Jahre ein altes Arbeiterhaus in den Lübecker Gängen für 5.000 Mark kaufen, muss man heute wesentlich tiefer in die Tasche greifen, um eines der Kleinsthäuser in den Lübecker Gängen zu erwerben: 'Heute zahlen Sie 100.000 Euro.'

Quelle: faz.net, luebeck.de
Bild: Arne List (Flickr)

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2017