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Im Emsland entsteht ein Wohnviertel extra für Senioren

Unter Anleitung des Architekten Josef Wulf entsteht in Meppen ein Wohnviertel für Senioren. Nachdem Wulf jahrelang bei der Stadt um Grundstücke geworben hatte, konnte er nur einen Steinwurf von den Flüsschen Ems und Hase das passende Gelände für sein Wohnsiedlungsprojekt kaufen. So konnten Ende April die ersten Rentner ihr neues Eigenheim in dem extra für ihre Bedürfnisse angelegten Viertel beziehen.

In den nächsten Jahren soll auf annähernd 2 Hektar ein Wohnpark für Senioren entstehen. Insgesamt 60 Bungalows sollen etwa 86 Menschen ein Zuhause für ihren Lebensabend geben. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die neuen Bungalows alle behindertengerecht sind und nur eine Etage haben. So können sie auch mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe problemlos genutzt werden.

Auch außerhalb der Häuser wird in dem neuen Seniorenviertel im Emsland auf die Bedürfnisse älterer Menschen geachtet. Auf erhöhte Bordsteine wird daher verzichtet, so dass Rollator-Fahrer ohne Hindernisse durch die Anlage kommen. Außerdem sollen die Senioren in ihrer Wohnsiedlung alles finden, was sie zum Leben brauchen. Deshalb hat Wulf im Zentrum ein Gemeinschaftshaus geplant, wo die Bewohner in einem kleinen Lädchen das Nötigste einkaufen können. Auch ein kleines Restaurant, ein Supermarkt und ein Frisör gehören zur Infrastruktur des Senioren-Wohnparks.

Auf eine Idee ist der Erfinder und Bauherr der Meppener Seniorensiedlung besonders stolz: In der Mitte der Siedlung wohnt die sogenannte 'Kümmerin'. Wie Wulf erklärt, handelt es dabei um 'so etwas wie die gute Fee des Dorfes.' Sie übernimmt bei Bedarf Einkäufe und Fahrdienste für die Bewohner, organisiert ihnen die Pflegedienste und bestellt auf Wunsch ein Taxi oder einen Handwerker. 'Sie ist immer ansprechbar, wenn irgendwo der Schuh drückt', sagt Wulf.

Der Meppener Stadtrat Bernhard Ostermann geht davon aus, dass das Wohnviertel für Senioren aufgrund der Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung schon bald Nachahmer finden wird: 'Die Siedlung hat Modellcharakter weit über die Region hinaus.' Diese Begeisterung teilen nicht alle. So steht beispielsweise Horst Becker vom 'Institut für ländliche Räume' an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig dem Meppener Seniorendorf skeptisch gegenüber. 'Das Leben unter Gleichen läuft dem Gedanken der Mehrgenerationen-Häuser zuwider,' kritisiert er. Dadurch würden Ältere noch mehr in ihrem Sonderleben eingeschlossen.

Wulf dagegen zeigt sich zuversichtlich. Auch wenn der Verkauf der Senioren-Bungalows 'wegen der Krise etwas schleppend' anlaufe, habe die Idee des Wohnviertels für Senioren Zukunft: 'Wir werden bald überall kopiert,' prophezeit der Meppener Bauherr.

Quelle: faz.net, das-parlament.de
Bild: Punxutawneyphil (Flickr)

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