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Grob fahrlässig verursachte Schäden: Wann zahlt die Versicherung?

Seit Anfang 2008 müssen Versicherungen auch bei grob fahrlässig verursachten Schäden einen Teil der Kosten zahlen. Diese Änderung im Versicherungsrecht könnte die Branche eine Menge Geld kosten, doch bislang wissen viele Versicherte gar nicht, wann ihre Versicherung für Schäden aufkommen muss.

Bis Ende 2007 galt bei Versicherungen das 'Alles-oder-Nichts-Prinzip', wonach die Versicherer nicht für grob fahrlässig verursachte Schäden aufkommen mussten. Zum 1. Januar 2008 wurde dieses Prinzip aufgehoben, so dass Versicherte jetzt auch bei grober Fahrlässigkeit nur den den Anteil am Schaden tragen, der ihrem Verschulden entspricht.

Diese Änderung im Versicherungsrecht wird künftig in unzähligen denkbaren Schadensfällen Fragen über die zu erbringende Eingenleistung aufwerfen: Was ist, wenn man in der Morgeneile die Spülmaschine nicht ausgeschaltet hat? Oder über das schreiende Kind die heiße Herdplatte vergessen hat? Oder wenn das offene Fenster Einbrechern den Weg geebnet hat?

Insgesamt bieten die neuen Regeln in den Sachversicherungen wie Hausratversicherung, Haftpflichtversicherung, Autoversicherung oder Gebäudeversicherung bessere Chancen, auch bei grober Fahrlässigkeit zumindest einen Teil der Kosten vom Versicherer erstattet zu bekommen. Wie hoch die Eigenleistung dabei ausfällt, muss im konkreten Versicherungsfall ausgehandelt werden, denn bisher gibt es dafür keine gesetzlichen Vorgaben oder Richtwerte.

Dieser Aushandlung der Quoten hatten die Versicherer ängstlich entgegengezittert, denn sie befürchteten neben einer Flut von Prozessen auch steigenden Ausgaben. Doch bisher ist die Streitwelle ausgeblieben, wie Versicherungsombudsmann Günter Hirsch berichtet. Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz macht daüfr vor allem Informationslücken verantwortlich: 'Den meisten Konsumenten ist die vorteilhaftere Rechtslage noch immer unbekannt.' Doch langfristig dürften immer mehr Versicherte ihre Rechte bei grob fahrlässig verursachten Schäden kennen, was zu höheren Kosten für die Versicherer führen wird.

Quelle: wiwo.de, versicherungsnetz.de
Bild: Jens Weber (Pixelio)

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