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Gewerbeimmobilien: In Krisenzeiten wird Mieterpflege groß geschrieben

Mieterpflege gewinnt in Zeiten der Krise bei der Vermietung von Gewerbeimmobilien immer mehr an Bedeutung. Um leere Büroräume zu füllen, locken Vermieter mit sogenannten Incentives. Mietfreie Quartale, Möbelzuschüsse oder Gratis-Parkett sollen helfen, Mieter zu binden oder neu zu gewinnen. Zu den großzügigen Angeboten der Eigentümer gehören auch Zuschüsse für Baukosten, Umzug oder Marketing. Viele kaufen Interessenten aus Altverträgen heraus oder übernehmen die Maklergebühren. 'In guten Zeiten ist das andersherum,' sagt Ulrich Höller, Vorstandschef des börsennotierten Gewerbeimmobilienspezialisten DIC Asset in Frankfurt am Main.

Grund für das extreme Entgegenkommen ist die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt. Was Gewerbeimmobilien angeht ist das Angebot derzeit viel größer als die Nachfrage. Aufgrund der Finanzierungsprobleme und der Vorsicht der Banken sind Verkäufe großer Objekte selten, Wirtschaftsflaute und Stellenabbau lassen den Bedarf an Büroflächen sinken und gleichzeitig werden Immobilien bezugsfertig, die noch vor der Krise geplant wurden. All das führt dazu, dass momentan die Mieter den Eigentümern von Gewerbeimmobilien die Konditionen diktieren.

Um den Mieterinteressen entgegenzukommen, ohne die Nominalmieten zu senken lassen sich Vermieter kreative Extras einfallen. Denn da der Wert gewerblicher Immobilien vom Mietvertrag abhängt, würde eine Minderung der Nominalmieten 'zur Abwertung der Objekte und damit zu einer schlechteren Bilanz oder bei offenen Immobilienfonds zu Performance-Rückgängen führen,' erklärt Christof Hardenbusch, Chefredakteur des Fachmagazins 'Immobilienmanager'.

Wie Höller betont spielt Mieterpflege bei Gewerbeimmobilien derzeit entscheidende Rolle: 'Entgegenkommen gehört zu einem schlauen Mietermanagement dazu.' Das weiß auch Georg Glatzel, Vorstandschef des börsennotierten Projektentwicklers und Investors IFM Immobilien in Frankfurt. Er hat nach Größe, Image und Umsatz 50 'wichtige Mieter definiert', die er von sich aus nach ihrer Zufriedenheit fragt. Dabei hat er festgestellt, dass den Mietern manchmal 'schon mit einfachen Dingen wie einem größeren Parkplatz für seinen neuen Dienstwagen helfen kann.'

Da sich die Lage auf dem Immobilienmarkt voraussichtlich erst ab 2011 wieder ändern wird, wird den Mietern von Gewerbeimmobilien im Zuge der Mieterpflege wohl noch mindestens ein Jahr lang jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Doch nach Einschätzung von Ferdinand Rock, Deutschland-Chef des Geschäftsbereichs Bürovermietung beim Großmakler Jones Lang Lasalle, sind sich viele Mieter ihrer vorteilhaften Lage gar nicht bewusst: 'Mehr als 50 Prozent der Immobiliennutzer schöpfen die derzeitigen Möglichkeiten der Kostenreduzierung nicht aus.'

Quelle: wiwo.de
Bild: Ludwig Alberter (Pixelio), Philipp Bosch (Flickr)

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