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Der Rundling in Leipzig: ein im wahrsten Sinne herausragendes Wohnsiedlungsprojekt

In den Jahren 1929/30 entstand im Leipziger Stadtteil Lößnig der noch heute eindrucksvolle Rundling mit 624 Wohnungen. Geplant und gebaut wurde das Wohnsiedlungsprojekt vom Stadtbaurat und Architekten Hubert Ritter (1886 bis 1967), der damals mit seinen Ideen zum Neuen Bauen in Leipzig nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß. Der Stadt, die sich bis heute ihrer Gründerzeitsubstanz rühmt, fiel es nicht leicht, die neuartigen Ideen Ritters, der zu den Anhängern der Moderne zählte, anzunehmen.

Auf leicht ansteigendem Gelände errichtete Ritter in drei parallelen, konzentrischen Kreisen die Wohnungen des Rundlings. Durch die natürliche Erhebung des Geländes ragen die Bauten buchstäblich aus der übrigen Siedlungsstruktur hervor. Diesen Effekt unterstrich der Architekt zusätzlich, indem er die inneren Häuser vierstöckig baute und die äußeren dreistöckig.

Nicht nur an der äußeren Gestaltung des Rundlings ist zu sehen, wie sich Ritter zeitgemäßes Wohnen vorstellte. Auch die Gestaltung der Wohnungen lassen seine Vorstellungen vom Neuen Bauen erkennen. So entwarf Ritter Wohnungen von 45 bis 60 Quadratmetern, um den unterschiedlichen Haushaltsgrößen gerecht zu werden. Elf unterschiedliche Grundrisse sollten helfen, den Anforderungen des ungewöhnlichen Gebäudeschnitts zu entsprechen und vor allem möglichst viel Licht in die Wohnräume lassen. "Ritter wollte die Leute aus den dunklen Hinterhöfen der Stadt ins Grüne holen, ihnen Luft und Helligkeit geben", erklärt Ines Gillner, Prokuristin der LWB und Leiterin der Baukoordination während der Sanierung nach der Wiedervereinigung.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Rundling bei Bombenangriffen fast vollständig zerstört. Es heißt, dass die Angreifer sich zum Bombenwerfen ermutigt fühlten, weil der Rundling aus der Luft an ein Fadenkreuz erinnerte. Ein teilweiser Wiederaufbau der Wohnsiedlung in den Jahren 1965/66 hinterließ Lücken. Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Rundling in mehreren Etappen vollständig saniert. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) wurde im Jahr 1996 für das Projekt "Sanierung und städtebauliche Ergänzung des Rundlings" vom Bund Deutscher Architekten, dem Gesamtverband der Wohnungswirtschaft und dem Deutschen Städtetag mit dem Bauherrenpreis für "Hohe Qualität und tragbare Kosten" ausgezeichnet. Stolz nennt Gillner den Rundling "ein bewohntes Denkmal": "Diese Balance haben wir gut hinbekommen."

Die große Beliebtheit des Rundlings auf dem Leipziger Immobilienmarkt zeigt sich unter anderem daran, dass nur 6 der 936 Wohnung leer stehen. Allerdings sorgen die schrittweisen Mieterhöhungen von ursprünglich 0,75 DM pro Quadratmeter auf das heutige Niveau des Immobilienmarkts für Verstimmungen unter den Mietern.

Quelle: faz.net, lvz-online.de
Bild: Matin Geisler (Wikipedia)

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