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Das Maß ist voll: Neue Mietrechte bei zu kleiner Wohnfläche

Bislang wurden Mietinteressenten oft an der Nase herumgeführt: Viele Eigentümer machten die Mietwohnung im Mietvertrag größer als sie eigentlich war. Damit ist nun Schluß! Sogar noch Jahre nach dem Einzug kann laut Bundesgerichtshof ein Mieter die Wohnung nun fristlos kündigen, wenn sie kleiner ist, als im Vertrag ausgeschrieben. Und nicht nur das: Selbst Mietzahlungen können zurückgefordert werden!

Der Gesetzesentschluss folgte auf die Klage eines Mieters, dessen Wohnung laut Vertrag circa 20 Quadratmeter größer sein sollte, als der Wohnraum in Wahrheit ausfiel - eine Differenz von fast einem Viertel! Der Bundesgerichtshof gab ihm Recht: Laut Urteil reicht eine solche Abweichung für eine fristlose Kündigung, auch wenn der Mieter die Wohnung bereits fast drei Jahre bewohnt hatte.

Wer seine Wohnung schnell loswerden möchte, der sollte also ab jetzt zum Zollstock greifen: Alle Räume im Innenbereich der Wohnung, die mindestens 2 Meter hoch sind, zählen voll zu den bewohnbaren Quadratmetern. Zimmer, die nur zwischen einem und zwei Metern hoch sind, werden nur zur Hälfte angerechnet, Flächen mit einer Deckenhöhe unter einem Meter zählen gar nicht dazu.

Bleibt die ausgemessene Wohnfläche deutlich unter der im Mietvertrag angegeben Quadratmeterzahl, kann der Vertrag fristlos gekündigt und die Miete seit dem Einzug zurückverlangt werden. Eine Einschränkung gibt der Bundesgerichtshof dabei allerdings schon: Der Mieter darf die Differenz zwischen realer und mutmaßlicher Quadratmeterzahl nicht schon kurz nach dem Umzug erkannt haben, und er sollte auf eine zeitnahe Kündigung gänzlich verzichten.

Unklar bleiben in der Berechnung die Flächen von Terrassen und Balkonen. Hier scheiden sich noch die Geister: Grundsätzlich gelten die Vorschriften des Sozialen Wohnungsbaus. Seit 2004 schreibt die Wohnflächenverordnung vor, dass die Terrassen- und Balkonflächen in der Regel nur zu 25 Prozent angesetzt werden dürfen. Jedoch kann die schriftliche Vereinbarung zwischen Mieter und Vermieter durchaus davon abweichen. Daher bleibt die korrekte Wohnungsgröße einer Mietwohnung, die vor allem Freiflächen aufweist, im Rechtsstreit nach wie vor ein heikles Thema.

Quelle: handelsblatt.com, fair-news.de
Bild: Stephanie Hofschlaeger (Pixelio) Klicker (Pixelio)

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